







Es ist anzunehmen das die Erbauung des Schlosses Mühltroff den deutschen Kaisern zu verdanken ist, die somit irgend einen "Ritter" für seine Hilfe im Krieg gegen die Sorben belohnten und belehnten.
Die Geschichte beginnt also mit der Erbauung des Schlosses (erste Bauten), welche ins 10. oder 11. Jahrhundert, jedoch nicht vor dem 9. Jahrhundert zu datieren ist, als die deutschen Kaiser zur Festigung ihrer Herrschaft neue feste Schlösser anlegten. Die Burgen Reichenfels, Wiedersberg, Sachsgrün, Stein bei Planschwitz, Mühldorf und Elsterberg befestigte man um so mehr, als sich die Deutschen gegen weitere Angriffe der Sorben sichern und die Unterworfenen im Zaume halten mussten.
Große Teile des Orlalandes übertrug der Kaiser,..., den in Franken beheimateten Lobdeburgern. Sie machten sich um 1150 bei Jena ansässig und drangen in den folgenden Jahren von hier aus über die Täler der Orla, Roda und Wisenta bis an die Elster vor, sodaß anzunehmen ist, daß sie auch hiesige Gegend, das Waldland zwischen den Freilandschaften um Schleiz und Plauen, (weiter) kolonisierten.
Bereits im 12./13. Jahrhundert ist eine Mühlensiedlung „Muhlendorf“ bekannt, welche von thüringisch- fränkischen Siedlern während der ostdeutschen Besiedlung, an der alten Heerstraße die Sachsen und Thüringen verband, angelegt wurde.
Warscheinlich war der von 1216 bis 1233 erscheinende "Hartmannus de Saalburc etiam de Bergowe" (ein Lobdeburger) der Gründer und somit der erste bekannte Besitzer Mühltroffs. Er starb um 1240 und hinterließ eine Tochter namens Leukard. Mit ihr gelangte der südliche Teil des Hartmannschen Besitzes, also Tanna, Mühltroff und Pausa, als Heiratsgut in die Hände des Vogtes Heinrich des I. von Gera; denn 1274 urkunden seine Söhne über den Fischteich oder See bei "Muldorf", dessen Nutzung sie dem Deutschen Orden wegen einer Schuld ihres Vaters überlassen.
Der Graf Otto von Arnshaugk-Lobdaburg besaß neben der Herrschaft Mühltroff noch Neustadt an der Orla, Ziegenrück, Auma, Triptis ....und Schleiz; letzteres bereits 1273, wie aus einer Urkunde hervorgeht - "datum in Slowiz anno domini M.CC.LXXIII"-.
Dies ist die erste bekannte, urkundliche Erwähnung von Mühltroff. Die Größe des Teiches, der von der Wisenta gespeist wurde, betrug ca. 14 ha und er musste 14 Tage lang leer laufen, wenn er gefischt werden sollte.
Um 1306 mag Mühltroff an die Plauener Vögte gelangt sein. 1342 urkundet ein gewisser "Heinrich der jüngere von Plawen her zcu Muldorf".
An der nordöstlichen Begrenzung des großen Teichs errichteten also die Landesherren unweit einer Erdturmanlage auf Grünsteinfelsen ein festes Schloss. Dieses Schloss wird 1349 als Meißnisches Lehen im Lehnsbuch Friedrichs des Strengen als „castrum“ des Vogtes von Plauen und Herren zu Mühltroff erwähnt. Der große Teich wurde später in die Verteidigungsanlagen des Schlosses mit einbezogen.
Das Schloss ist eine „Tieflandsburg“ und war ursprünglich von einem Wassergraben umgeben. Den Kern bildet ein runder Wehr- und Wartturm, welcher an der Verzweigung der Landeshauptstraßen ins Thüringische bzw. ins Fränkische erbaut wurde. Aus dem 14. Jahrhundert sind verschiedene Bezeichnungen, wie 1358 „veste und gut“, 1367 „haus“ und schließlich 1378 „slos“ für das Mühltroffer Schloss bekannt. Auch der Wassergraben, die Schanzen, die Zugbrücken und die damals vorhandenen Geschütze zeugen von einer soliden wehrhaften Bauweise. Allerdings sind inzwischen die Schanzen kaputt gegangen und die Geschütze sollen für die oberländische Jagd nach Zeitz gekommen sein.
weitere Nutzungen:
Eine der größten Bauphasen setzte insbesondere im 16./17. Jahrhundert ein. Es wurden verschiedene Bauten wie der wuchtige schmucklose Hauptbau über einem hohen Sockelgeschoss mit weit nach Osten ausladenden Flügeln sowie ein Trakt mit reich gegliederter Fassade und Arkadengang zur Schlosskirche errichtet.
In der Folgezeit war das Schloss Verwaltungsmittelpunkt der hier residierenden Herrschaftsgeschlechter, für das aufstrebende Ackerbau- Städtchen Mühltroff und die Umliegenden Dörfer (Langenbach, Langenbuch, Thierbach, Dröswein, Wallengrün, Ranspach). Die Bezeichnung Stadt ist seit 1367 nachweisbar.
In Folge des Vogtländischen Krieges von 1357 musste das Schloss von den Vögten an die Wettiner Markgrafen-Brüder Balthasar und Wilhelm abgegeben werden.
Als markgräfliches Amt, verwaltet durch Untervögte, kamen die Baulichkeiten als Pfand an die von Bünau, Walmann, Roder, Conrad von Tettau und die Säcke von Geilsdorf. Im Jahre 1436 dann erwarben die Edlen Säcke, welche damals die reichten Grundbesitzer des Vogtlandes waren, Schloss und Herrschaft zu Mühltroff und behielten diese bis 1591.
Ab dem Jahre 1604 beginnt mit dem Herrschergeschlecht derer von Bodenhausen die Glanzzeit des Schlosses. Unter Franz Wilcka von Bodenhausen (1623 – 1686) hatte das Schloss eine Zugbrücke und Schanze, weitläufige Säle in fünf Stockwerken mit 200 Fenstern. Alles wurde von dem hohen Turm mit einer zweistöckigen Galerie gekrönt auf dem die „Stadtmusici“ täglich früh, mittags und abends blies. Ein Herrengarten mit Mooshütten, Vogelhäusern, einem Bassin und einem Gartenhaus in Form eines chinesischen Tempels gehörten außerdem zu den herrschaftlichen Anlagen.
Münze aus der "Bodenhausenschen Zeit"
Brandenburg-Bayreuth 1/24 Taler 1719
gefunden 1985 im Schlossgarten
Mit dem Aussterben derer von Bodenhausen 1775 in Mühltroff, gingen Schloss und Herrschaft an die von Kospoth, einem thüringischen Herrschergeschlecht, über.
Der 1790 in den Reichsgrafenstand erhobene
Otto Carl Erdmann von Kospoth (geb.1753), übernimmt in Mühltroff Schloss und Rittergut. Den schönen Künsten zugewandt, lässt er später in der Nähe des Ortes Mühltroff, am Lämmerhügel, ein Lustschloss errichten.
Otto Carl Erdmann von Kospoth zeigt großes Interesse an den Naturwissenschaften und lässt wenig erfolgreich nach Silber, Alaun, Vitriol und Steinkohle graben, um seine Einkünfte zu erhöhen.
Bekannt ist, dass er in einer der alten Schlossküchen mit seinen Freunden zweifelhafte alchemistische Experimente zur Gewinnung von Edelmetallen unternimmt. Diese führen zur Beschuldigung der Geisterbeschwörung, Schatzgräberei und anderer Gaukeleien, aufrührerischer Reden in Gegenwart vieler Personen und des Verdachts der Fertigung und Verbreitung falscher Münze.
Daraufhin wird im Jahre 1799 das Schloss unter Zwangsherrschaft gestellt. Graf von Kospoth behielt lediglich das Wohnrecht.
Am 23. Juni 1817 kommt es zu einem Feuer im angrenzenden Rittergut, das auf das Schloss übergriff. Graf von Kospoth verließ, trotz Aufforderung, sein Zimmer nicht, weil er „den Feuersegen habe und keine Flamme ihm nahe kommen könnte“. Das Schloss brannte vollständig aus, die brennende Turmhaube stürzte nach innen sodass vom Grafen nichts mehr zu finden war.
Danach wurde das Schloss unter Abtragung des oberen Stockwerkes notdürftig in Stand gesetzt. Auch der Turm veränderte seine Gestalt. Er erhielt von 1820 bis 1837 einen haubenartigen Abschluss mit hölzerner Galerie und 1857 dann die Pyramidenform, welche er bis heute trägt.
Im Jahre 1822 geht das Schloss samt Grundbesitz an die Grafen von Hohenthal.
Von 1923 bis 1939 wird das Schloss als Erholungsheim der Höheren Mädchenschule in Plauen genutzt.
1940 erhält die Stadt Mühltroff das Schloss durch Schenkung. In den Jahren des 2. Weltkrieges wird das Schloss Mühltroff ein KLV-Lager. In dieses Lager der erweiterten Kinderlandverschickung werden Kinder aus bombengefährdeten Gebieten nach Mühltroff evakuiert.
Brief an Eckhard Mittenzwei, 1944
als Kind im KLV-Lager Schloss Mühltroff
Nach Kriegsende ist die Wohnungsnot sehr groß, so entschließt man sich bombengeschädigte Familien und Umsiedler bzw. Flüchtlinge in notdürftig gestalteten Wohnungen im Schloss unterzubringen. Im Jahre 1955 leben bereits 23 Familien mit insgesamt 75 Personen im Schloss. Auch in den Folgejahren bis zur Wende leben in diesen Wohnungen Familien, eine Folge der Wohnungsknappheit.
Während der letzten Jahre bemühte sich die Stadt Mühltroff die Wohnungen im Schloss aufzulösen und das Schloss als Denkmal zu erhalten. Es erfolgte der Verkauf des Herrenhauses und dessen Sanierung bzw. Ausbau zu modernen Wohnungen.
Heute nutzen der Jugendklub, Vereine wie: Modelleisenbahner, Aquarianer, der Heimat- und Wanderverein und Privatleute das Schloss für vielfältige Veranstaltungen und Feste. Der Heimat- und Wanderverein unterhält die Heimatstuben mit Ausstellungen zur Orts- und Regionalgeschichte ebenfalls im Schloss.
Im Jahre 1995 gründet sich der Förderverein Schloss Mühltroff e.V., dessen erklärtes Ziel die Pflege, die Erhaltung, der Ausbau und die sinnvolle Nutzung des Schlosses sind.
ständig nach bisherigem Forschungsstand überarbeitet von M. Taubner-Wude
Literaturhinweis/ Quellen:
"Historisch diplomatische Nachrichten vom Vogtland
besonders von der Stadt und ehemaligen Herrschaft Mühltroff",
M. Johann August Möbius, 1760
"Die Herrschaft Mühltroff und ihre Besitzer",
Carl Herrmann Richter, 1857
"Aus der Geschichte Mühltroffs",
Festschrift Bezirksturnfest,
Max Frotscher, 1931
"Festschrift 600 Jahre Stadt Mühltroff", 1967
„Mühltroff und sein Schloss“, Horst Däumer
Stadtarchiv der Stadt Mühltroff
